
Spanien-Roadtrip in 2 Wochen: Mit dem Camper durch das Herz Andalusiens
Aktualisiert am: 21.04.2026
Lesedauer: 9 Minuten
Andalusien ist kein Reiseziel – es ist ein Gefühl. Weißgekälkte Dörfer, maurische Prachtbauten, ein jüdisches Viertel voller verwinkelter Gassen und irgendwo mittendrin eine Wüste, die aussieht wie aus einem Sergio-Leone-Film. Mit dem Camper erlebt ihr Südspanien so, wie es wirklich ist: in eurem eigenen Tempo, abseits der Touristenströme. Unsere Route führt euch in zehn bis fünfzehn Tagen von Málaga über Granada und Sevilla bis in den Nationalpark Doñana – und wieder zurück. Ihr wollt wissen, was uns am meisten überrascht hat? Das verraten wir euch unterwegs.
Die Route auf einen Blick
Málaga → Wüste von Tabernas → Granada → Córdoba → Sevilla → Nationalpark Doñana → Ronda → Stausee Conde de Guadalhorce → Torcal de Antequera → Málaga (ca. 1.171 km, 10–15 Tage)
Andalusien hat ein hervorragendes Straßennetz – mit dem Mietcamper nutzt ihr eure Zeit optimal und seid nicht auf die unregelmäßig fahrenden Busse angewiesen.
Málaga
Der perfekte Startpunkt für einen Spanien-Radtrip

Málaga ist der perfekte Startpunkt für einen Andalusien-Roadtrip: Tapas, Sightseeing, Museen – hier könnt ihr euch in aller Ruhe warmfahren, bevor es raus in die Natur geht. Diese drei Sehenswürdigkeiten sollten auf keinen Fall fehlen:
Museo Picasso Málaga: Ein Pflichtbesuch in der Geburtsstadt des Künstlers. Über 200 Kunstwerke geben euch einen guten Überblick über Leben und Werk Picassos – eingebettet in den beeindruckenden Buenavista-Palast aus dem 16. Jahrhundert, der regelmäßig Sonderausstellungen beherbergt.
Catedral de Málaga: Jede spanische Stadt hat ihre Kathedrale – aber die in Málaga ist wirklich besonders. Schlendert durch den Hinterhof mit seinen duftenden Orangenbäumen und staunt im Inneren über die 40 Meter hohe Kuppel.
Mercado Ataranzanas: Auf diesem lebhaften Markt nahe der Alameda Principal deckt ihr euch wunderbar mit regionalen Lebensmitteln für die Weiterreise ein – oder esst einfach direkt vor Ort. Schaut euch unbedingt das maurische Eingangstor und das hübsche Buntglasfenster im Inneren an.
Wüste von Tabernas
Western-Feeling und Wanderrouten

Knapp drei Stunden Richtung Osten – und plötzlich fühlt es sich an, als wären wir in einer anderen Welt gelandet. Rund 30 Kilometer hinter Almería liegt die Desierto de Tabernas: ein weites, fast gespenstisches Buschland mit goldgelb schimmernden Hügeln. In den 1960er Jahren drehte Sergio Leone hier seine berühmten Italo-Western, später folgten Teile von Indiana Jones und Game of Thrones. Für alle Filmnerds gibt es ausgeschilderte Drehorte – einfach den Schildern folgen.
Ist das noch Spanien? Am Camperfenster rauscht ein American Diner mit Retro-Autos vorbei, in den Wildwest-Themenparks warten Saloons mit – sagen wir mal – bodenständigen Shows. Uns zieht es eher in die Landschaft: Wir wandern auf dem Sendero del Desierto (9 km) durch ausgetrocknete Flussbetten und das Tal, in dem Lawrence von Arabien gedreht wurde. Wir haben erst Juni – aber es ist schon jetzt knackig heiß! Zum Glück haben wir genug Sonnencreme, Wasser und Mützen dabei, denn Schatten gibt es hier kaum. Nach gut drei Stunden sitzen wir durchgeschwitzt und glücklich im Camper und fahren hoch zum Mirador El Puntal. Der Blick auf das Tal mit den sanften, goldgelben Bergen sieht aus wie ein abstraktes Gemälde.
Übernachtungstipp: Campen in der Tabernas-Wüste ist verboten – am Aussichtspunkt gibt es jedoch vier Stellplätze, auf denen ihr übernachten dürft (Koordinaten: 37.01419, -2.418581). Keine Infrastruktur vorhanden: Nur fahren, wenn euer Wohnmobil eine eigene Toilette hat.
Granada
Unterwegs zur Alhambra

Am Fuße der Sierra Nevada liegt Granada – eine der schönsten Städte Andalusiens. Sie war die letzte Hochburg der spanischen Mauren, und das spürt man an jeder Ecke: Hufeisenbögen, Gewürzstände, gemütliche Teehäuser. Das historische arabische Viertel Albayzín, die lebhaften Bars, die Künstlercafés, die Flamenco-Clubs – Granada hinterlässt definitiv einen bleibenden Eindruck.
Die größte Sehenswürdigkeit ist natürlich die Alhambra – Europas schönster Liebesbrief an die maurische Kultur. Was einst als Zitadelle begann, wurde im 14. Jahrhundert zu einem der prächtigsten islamischen Gebäude auf dem Kontinent. Die wunderschönen Gärten des Generalife setzen noch einen drauf.
Mit dem Camper durchs Stadtzentrum zu fahren kann ziemlich frustrierend sein – das gilt für die meisten größeren Städte in Andalusien. Besser: Wohnmobil am Stadtrand abstellen und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Zentrale Parkplätze gibt es, aber die kosten euch rund 20 bis 25 Euro pro Tag.
Córdoba
Ein Spaziergang durchs jüdische Viertel

Das zweite Bauwerk, das wir uns in Andalusien auf keinen Fall entgehen lassen wollen: die Mezquita in Córdoba. Sie ist eines der größten islamischen Gebäude der Welt – und vor allem für ihre 856 gestreiften Gewölbebögen weltberühmt. Wer werktags zwischen 8.30 und 9.30 Uhr kommt (außer an Feiertagen), zahlt keinen Eintritt. Gruppenbesuche sind vor 10 Uhr verboten, was dem Besuch eine ruhige, fast meditative Atmosphäre verleiht. Früh aufstehen lohnt sich also! Wer es erst später schafft: Tickets lieber im Voraus kaufen.
Nach dem Besuch nehmen wir uns noch Zeit für einen Spaziergang durch das jüdische Viertel westlich der Mezquita. Die Straßen mit den kitschigen Souvenirläden lassen wir links liegen und tauchen stattdessen ins Gewirr aus engen Gassen, weißgekalkten Häusern und kleinen Plätzen ein. Durch schmiedeeiserne Tore erhascht man Blicke auf grüne Patios.
Essensvorräte lassen sich wunderbar in der Markthalle Mercado Victoria auffüllen – hier bekommt man wirklich alles, und die Location selbst ist ein Hingucker: ein Schmiedeeisen-Glas-Pavillon aus dem 19. Jahrhundert.
Übernachtungstipp: El Hecho bei Guadalcázar – die Gemeinde stellt Picknicktische, Grills, Trinkwasser und eine Entsorgungsstation zur Verfügung.
Sevilla
Flamenco, Tapas und ganz viel Sonne

Fast 40 Grad – aber Sevilla zieht einen trotzdem sofort in seinen Bann. Der historische Stadtkern mit der gotischen Kathedrale und den Mudejar-Palästen ist ein spanischer Traum. Zum Glück ist das Zentrum recht kompakt, die meisten Sehenswürdigkeiten liegen zwischen dem Parque de María Luisa im Süden, dem Macarena-Viertel im Norden und dem Río Guadalquivir im Westen. So lässt sich die Hitze gut managen: immer wieder eine Pause im Schatten, ein kühles Getränk in einer der gemütlichen Tapas-Bars.
Die Highlights der Stadt:
Kathedrale von Sevilla – eine der größten Kirchen der Welt, die angeblich die Gebeine von Kolumbus beherbergt. Unbedingt hoch zur Giralda schlängeln und den Ausblick genießen.
Alcázar – zu Recht auf der UNESCO-Welterbeliste. Der Palastkomplex vereinigt christliche und Mudejar-Architektur auf einzigartige Weise.
Metropol Parasol – die hölzernen "Pilze" sind inzwischen so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt. Besonders abends, wenn die Stadt in warmem Licht erstrahlt.
Barrio de Santa Cruz – für uns das schönste Viertel der Stadt. Enge Gassen, bepflanzte Plätze, der grüne Plaza Doña Elvira.
Plaza de España – Mosaikböden, geschwungene Brücken, kleine Kanäle: einer der schönsten Plätze in ganz Spanien.
Und noch etwas: Sevilla ist die Hauptstadt des Flamencos. Es gibt kaum einen besseren Ort in Andalusien, um diese Kunstform in ihrer ursprünglichen Form zu erleben – am besten in einem der Peñas, wo der traditionelle Flamenco noch gelebt wird. Einfach in Flamenco-Bars nachfragen, Plakaten in den Straßen folgen oder einfach den Klängen nach.
Nationalpark Doñana
Flamingoschwärme und Traumstrände

Nach so vielen Städten geht es endlich wieder raus in die Natur – und wie! Der Parque Nacional de Doñana ist eines der größten Feuchtgebiete Europas, und er stand schon lange auf unserer Liste. Wir werden nicht enttäuscht: Am Horizont übersäen pinkfarbene Punkte den Abendhimmel – Flamingoschwärme. Große Rot- und Wildschweinherden bahnen sich ihren Weg durch mediterrane Wälder, an der Küste treffen Sandstrände auf Marschland.
Der Zugang zum Park ist bewusst eingeschränkt, um die Natur zu schützen. Mit dem Mietcamper gelangt ihr aber zu den wichtigsten Besucherzentren. Auf dem 28 Kilometer langen Atlantikstrand zwischen Matalascañas und der Guadalquivir-Mündung könnt ihr euch frei bewegen – solange ihr nicht landeinwärts abschweift. Wer tiefer in den Park eintauchen möchte, bucht eine der geführten Touren im Geländewagen – direkt bei zugelassenen Agenturen wie Doñana Nature oder Doñana Reservas, viele mit Sitz in El Rocío.
Ronda
Eine Stadt über einer Schlucht

Auf so vielen Fotos haben wir diese Stadt schon gesehen – aber sie mit eigenen Augen zu erleben, ist nochmal eine ganz andere Sache. Ronda wurde zu beiden Seiten einer gewaltigen Schlucht erbaut: im Süden die Altstadt mit ihren Renaissance-Villen, im Norden die gitterförmige "Neustadt" auf steilen Felsen. Von den Parks und Promenaden aus habt ihr einen fantastischen Blick auf die umliegenden Berge.
Verbunden werden Alt- und Neustadt durch die Puente Nueva, die dramatisch über die Schlucht führt. Den schönsten Blick auf die Brücke bietet der Camino de los Molinos am Grund der Schlucht. Rund um die Stadt starten außerdem acht gut markierte Wanderwege zwischen 2,5 und 9 Kilometern – alle eingezeichnet auf der Karte vor der Touristeninformation.
Stausee Conde de Guadalhorce
Unser Geheimtipp für Andalusien

Aufgepasst – hier kommt einer unserer liebsten Geheimtipps für Andalusien! Das Wasser des Stausees leuchtet türkisfarben und ist die perfekte Alternative zu den überfüllten Küstenstränden. Ein großer Campingplatz wartet hier auf euch, ihr könnt Kajaks ausleihen, und vom Restaurant El Mirador startet ein Wanderweg in die Berge hinauf zu einer beeindruckenden Schlucht.
Ganz in der Nähe liegt außerdem El Chorro – bekannt vor allem unter Kletterfans. Hier befindet sich auch der Camino del Rey, einst als einer der gefährlichsten Wanderwege der Welt verschrien. Diese Zeiten sind vorbei: Die Strecke wurde komplett saniert. Trotzdem wird einem ein bisschen mulmig, wenn man in über hundert Metern Höhe zwischen zwei Schluchten balanciert. Der Ausblick entschädigt für alles.
Torcal de Antequera
Von Riesen gebaut

Als hätten Riesen hier geduldig Steine übereinandergestapelt – so sehen die Karstfelsen in diesem Naturschutzgebiet aus. Die eigentlichen Architekten waren Muscheln und Kalkablagerungen, die diese Strukturen über Millionen von Jahren geformt haben. Während wir zwischen den Formationen wandern, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass dieses Gebiet einmal vollständig vom Meer bedeckt war. Ein bisschen erinnern sie uns an die Hoodoos im Bryce Canyon in den USA – nur nicht orangerot, sondern hellgrau.
Bis nach Málaga ist es nicht mehr weit. Die Camper-Rückgabe klappt reibungslos, der Flughafen liegt gleich um die Ecke. Und wir sind uns sicher: Wir kommen wieder. Entlang der spanischen Küste gibt es mit dem Wohnmobil noch so vieles zu entdecken – von den Surferstränden in Tarifa bis zur UNESCO-Stadt Cádiz. Aber diesen Roadtrip heben wir uns für nächstes Jahr auf.
Camper für Andalusien mieten – so geht's
Ihr habt auch Lust auf eine Wohnmobiltour durch Andalusien bekommen? Auf CamperDays könnt ihr Vermieter miteinander vergleichen und findet so den Camper, der am besten zu eurer Reise passt. Mietstationen gibt es in Málaga, aber auch in anderen spanischen Städten. Für die südeuropäischen Straßen empfehlen wir einen Kastenwagen: nicht zu groß, aber zu zweit komfortabel genug. Alternativ könnt ihr auch Wohnmobile in Deutschland vergleichen und von dort direkt in Richtung Spanien starten.

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